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Eins lässt sich über „Das gute Leben“ mit Sicherheit sagen: Man kann gut leben, ohne es gelesen zu haben.
Zugutehalten kann man dem Roman allenfalls, dass er nicht weiter stört und sich über weite Strecken ganz geschmeidig runterliest. Aber diese Belanglosigkeit des Inhalts, diese klischeehaften, uninteressanten Figuren – nicht mal aus dem Hintergrund von 9/11 in New York holt der Autor etwas Substanzielles raus. Ich erfahre hier auch nicht mehr über jene Tage, als ich verschwommen aus den damaligen TV-Berichten in Erinnerung hatte. Dass die Hauptfiguren bei den Anschlägen Freunde verloren haben, wirkt hier eher nebensächlich, bringt sie jedenfalls nicht aus dem Tritt, liefert höchstens einen Vorwand, noch ein Gläschen Rotwein mehr zu trinken.
Ansonsten ist der Terror hier nur ein erzählerischer Kniff, damit sich die Wege der aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Sphären stammenden Protagonisten kreuzen und sich eine ziemlich konventionelle Liebesgeschichte entwickeln kann (wobei die „Unterschicht“ hier gleichbedeutend damit ist, in einem etwas heruntergekommenen, aber eigentlich wahnsinnig coolen Loft in Manhattan zu leben und Salman Rushdie zum Abendessen zu empfangen – ein ziemlich müder Abklatsch zum faszinierenden New Yorker Intellektuellen- und Künstlerleben, wie es etwa Siri Hustvedt schildert).
Immerhin schreitet die Handlung zügig, wenn auch vorhersehbar voran, man verfolgt das Geschehen mit demselben matten Interesse und gelegentlichen Amüsement wie die „Bunte“ im Wartezimmer des Arztes. Bestenfalls könnte das Buch als angenehm sinnlose Zeitverschwendung mit ein paar Durchhängern durchrutschen.
Einige Passagen sind aber tatsächlich völlig misslungen, vor allem die „erotischen“ Szenen. Da stöhnt man als Leser nur noch auf – und bestimmt nicht lustvoll. Tiefsinnigkeit sieht hier so aus, dass die Liebenden abwechselnd versonnen ins Kaminfeuer starren. Dass eine der Hauptfiguren die Schwester seiner Frau attraktiv findet, erklärt der Roman so: „Wenn man Roquefort mag, ist es kein Wunder, auch auf Stilton Appetit zu haben.“ Käse!!

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