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Richard Ford ist der Meister der gnadenlosen Genauigkeit: Das macht auch bei diesem Buch den Genuss und die Herausforderung aus.

Es illustriert das Gegenteil von ökonomischem Erzählen, wie Ford ein Osterwochenende des Sportreporters Frank Bascombe wiedergibt, frei nach dem Motto: Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von Feiertagen. Vermeintlich Uninteressantes wird kaum herausgefiltert, stattdessen haben wir so ziemlich an jedem Schritt, jeder wirklich oder vermeintlich unbedeutenden, hohlen Konversation, jedem Warten und Überbrücken einer Leerzeit teil. Und gerade die Momente, über die manch anderer Autor hinweggehen würde, machen die besondere Stärke Fords aus: Die Dialoge mit allen Platitüden, mit Leerformeln, mit dem Willen, etwas Tieferes zu erfassen oder auch gerade den Tiefgang abzuwehren, das fängt Ford ein wie kein zweiter.

Inhaltlich dazu passend geht’s um die Spannung zwischen Durchschnittlichkeit und Oberflächlichkeit auf der einen und Sinnsuche und Schicksalbewältigung auf der anderen Seite. Die Hauptfigur Frank Bascombe repräsentiert das mittlere Lebensalter und das absolute Mittelmaß – in dessen Sicherheit er sich geradezu hineingeflüchtet zu haben scheint. Er tauscht den vielversprechenden Beginn einer Karriere als Romanautor gegen den Job als Sportreporter aus, den er innerlich unbeteiligt ausüben kann. Als Lebensumfeld liebt er die gesichtslose Vorstadt, in der Liebe ist offenbar die unverbindliche Affäre sein Ideal. Als Stachel ins Fleisch dieser unangreifbaren Oberflächlichkeit und Leere ragen aber der Tod seines Kindes und das folgende Zerbrechen seiner Ehe.

An besagtem Osterwochenende läuft nun vieles aus dem Ruder. Schleichend und von Ford raumgreifend vorbereitet, nahen die Katastrophen, unaufgeregt und unausweichlich steuert die Handlung auf einen Wendepunkt zu. Insgesamt ist das ein stilles Drama und das Portrait einer haltlosen Gesellschaft im saturierten, kapitalistischen Amerika (oder Westen allgemein).

Dem Leser verlangt das alles etwas Geduld ab, es hat mich aber auch über weite Strecken sehr gebannt, auch gut unterhalten – und war auf jeden Fall die perfekte Lektüre für mich als Journalisten im selben Alter wie Bascombe.

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