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Psychopharmaka, Alkohol und der ein oder andere Joint gehören zur Grundausstattung der Figuren in diesem Geschichtenband. Donald Antrim zeigt uns Menschen, die oft unbeholfen durchs Leben taumeln, ihre Neurosen pflegen und doch fest entschlossen sind, gegen alle Widrigkeiten um ihr kleines Stück vom Glück zu kämpfen, und er kehrt dabei meist die skurrile Seite der Tragik hervor. So weit, so gut, ich erkenne die Qualität darin und dass der Autor hier einen sehr eigenen Tonfall zwischen Lakonie, Ironie und Anteilnahme gefunden hat.
Nur: Wirklich berührt hat mich leider bloß eine der sieben Erzählungen: „Noch ein Manhattan“ über einen untreuen Ehemann, der in einer manischen Phase in einem Blumengeschäft einen völlig überdimensionalen Strauß für seine ebenso fremdgehende Frau zusammenstellen lässt und sich, als er die horrende Rechnung nicht bezahlen kann, in eine entwürdigende Lage hineinmanövriert. Diese Situation bringt aber unter der Fassade des Slapstickhaften, der erotischen Verwicklungen und vermeintlichen Entfremdung auch die tiefe Liebe zwischen dem Paar zum Vorschein.
Vom Konzept sind mehrere andere Erzählungen ähnlich: Während sich die Figuren durch mehr oder weniger absurd-alltägliche Lebenslagen hangeln, schleppen sie ihre je eigenen Traumata mit sich herum und klammern sich fast heimlich an Hoffnungen und Träumen fest.
Klingt jetzt aber alles besser, als es sich beim Lesen angefühlt hat. Mein Problem war wohl, dass ich zu kaum einer der Figuren eine Verbindung aufbauen konnte. Welche Probleme haben diese hedonistischen New Yorker eigentlich, außer einem diffusen Hadern mit dem Dasein? Es war vermutlich das Um-sich-selbst-Kreisen der Personen, kombiniert mit der Armut an äußerer Handlung und dem distanzierten Stil, weswegen mich die Geschichten mal mehr, mal etwas weniger kalt gelassen haben. Völlig gelangweilt habe ich mich bei „Ein Schauspieler bereitet sich vor“ und vor allem „Trost“.
Trotzdem ein interessanter Autor, der in diesem Band auch erahnen lässt, dass seine ganz eigene Art des Erzählens wunderbar aufgehen könnte.

Donald Antrim, Das smaragdene Licht in der Luft, Rowohlt, 224 Seiten, 18,95 Euro.

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